Frauenrat zur Schließung des Doku Graz

 

Die Schließung des DOKU GRAZ erfüllt alle Mitglieder des Grazer Frauenrats mit Trauer und Wehmut, Empörung und Unbehagen.

Gleichzeitig gilt dem DOKU GRAZ unser aller Dank, Anerkennung und Wertschätzung für die vielen Jahre engagierter feministischer Arbeit!

 

Mit Ende dieses Jahres wird das DOKU GRAZ Frauendokumentations – und Projektzentrum nach 24 Jahren Arbeit schließen.

Das DOKU GRAZ ist eine der ältesten Fraueneinrichtungen in Graz und hat als solche die Geschichte einer ganzen Bewegung – nämlich der Frauenbewegung und der Frauenprojekte in Graz – dokumentiert und vielen InteressentInnen zugänglich gemacht. Das DOKU GRAZ war ein Ort der Denkfreiräume, an dem gesellschaftspolitischer Diskurs möglich war und stattgefunden hat.  FrauenWORTE – FrauenORTE war nicht nur Angebot und  Aufruf, sondern immer auch feministische Forderung. Damit war das DOKU GRAZ für Graz zugleich Ort des Bewahrens wider eine patriarchale Geschichtsschreibung als auch seismografische Impulsgeberin für Themen von oft erst später breitenwirksamer Relevanz. Graz hatte mit dem DOKU GRAZ eine Einrichtung, die unabhängig Fragen stellte, und Antworten suchte, wo andere im Status Quo verharrten.

Das DOKU GRAZ hat eine lange und wechselvolle Geschichte und das letzte Kapitel ist nun geschrieben. Das DOKU GRAZ schließt seine Pforten wie es sie eröffnet hat: mit Stolz und in Würde. Die Sammlungen des DOKU GRAZ bleiben erhalten: STICHWORT, das Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung in Wien, hat die Archivbestände vom DOKU GRAZ übernommen, die öffentlich zugänglichen Archivmaterialien aus Graz und der Steiermark werden vom Stichwort an das GrazMuseum als Dauerleihgabe übergeben. Die Materialien sind mittlerweile elektronisch erfasst und werden in Zukunft als Teil der Grazer Stadtgeschichte behandelt werden. Die umfangreiche feministische Bibliothek, die das Doku aufgebaut hat, wird dem Verein Frauenservice Graz übergeben werden.

Das DOKU GRAZ hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die seit mehreren Jahren auch von ständig geringer werdenden finanziellen Mitteln mitgeschrieben wurde. Das DOKU GRAZ hat viele Jahre lang versucht, seine de facto unzureichende Basisfinanzierung durch Projekte auszugleichen – mit dem Ergebnis, dass weder die Projekte, noch die Archivarbeit tatsächlich ausfinanziert waren.  Das DOKU GRAZ hat nun beschlossen, die Leerstelle zuzulassen, die entsteht, wenn es damit  aufhört, diesen Widerspruch fortwährend auf eigene Kosten zu kompensieren.

Die fortschreitende Logik, in der kontinuierliche Basisfinanzierungen von kurzfristigen Projektfinanzierungen abgelöst werden, verträgt sich nicht mit Archivarbeit und reflektiertem Denkraum, für die gerade die Kontinuität wichtig ist. 

Mit jener qualitativen Arbeit, die im DOKU GRAZ all die Jahre geleistet wurde, fand das DOKU GRAZ in einer von quantitativen Leistungsnachweisen, propagierter Effizienzsteigerung und permanenter Innovationsbeschwörung geprägten Förderlogik keinen Platz mehr.

Mit dem DOKU GRAZ als Denkraum gehen unabhängige, kritische und korrektive Stimmen verloren, die über wahlrhythmisch bestimmte Zeithorizonte hinausschauen, Komplexität hinterfragen und Optionen entdecken wollen, statt schnelle medientaugliche Lösungen anzubieten.  Verloren geht einmal mehr ein Stück partizipative Demokratie.

Das DOKU GRAZ hat sich nun entschieden zu schließen und dennoch die Materialien zu sichern.  Damit ist es dem DOKU GRAZ in seinem letzten Schritt trotz allem gelungen einer feministischen Vision treu zu bleiben: selbstbestimmt zu sein!