Frauen* können.....alles!

Die neue Bundesregierung lässt  die Hoffnung aufkeimen, dass sich die politische Kultur in Österreich weiterentwickelt. Bundeskanzlerin Bierlein und ihr Kabinett werden nur einige Monate im Amt sein, trotzdem trauen wir ihnen zu, dass sie einen wirklich neuen Stil des Miteinanders und der Wertschätzung pflegen und damit auf die Politik  verändernd einwirken werden. Schon in der ersten Rede klingen Äußerungen der Bundeskanzlerin vielversprechend. Sie will keine Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung, sie sucht den Dialog und den Ausgleich der Interessen, und Expertisen sollen nicht mehr von Ideologie weggewischt werden.

 

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass das Kabinett zur Hälfte mit Frauen* besetzt ist. Alle neuen Ministerinnen sind hochqualifiziert und haben sich bereits in ihrem bisherigen Amt bewährt. Die Quote ist hier ein Beweis für Qualität und kann sich als Motor für künftige Entwicklungen erweisen. Wehmütig stimmt allerdings, dass ein geschlechtergerechtes Kabinett nicht durch Wahl oder den politischen Willen der Parteien entstand.

 

In der  jüngsten Vergangenheit ließen uns politische Pläne und Taten nichts Gutes ahnen. Erinnern wir uns, dass im Regierungsprogramm von 2017 das alte Familienkonzept „Vater,Mutter,Kind“ festgeschrieben wurde, ein Konzept, das die gesellschaftliche Realität in keiner Weise widerspiegelt. Erinnern wir uns, das die Frauen*ministerin es nicht für nötig befand, der Diskussion über das Frauen*volksbegehren im Parlament beizuwohnen. Sie wollte sich nicht einmal mit den Argumenten von Frauen* auseinandersetzen, die von einer halben Million Österreicher*innen  aktiv unterstützt worden waren. Vergessen wir auch nicht, dass plötzlich wieder eine Abtreibungsdebatte aufkeimte, und vergessen wir nicht, dass der beworbene Familienbonus ein Alleinerzieher*innenmalus war.

 

Bundespräsident Van der Bellen wird nicht zum letzten Mal zitiert werden, niemand wird zukünftig sagen können, es geht nicht. Es gibt Frauen*, die qualifiziert und bereit sind, politische  Verantwortung zu übernehmen. Die Einbeziehung von Fachfrauen* wird dazu führen, dass Frauen*themen aktiver behandelt werden. Im günstigsten Fall kommen wir dahin, dass endlich Frauen*politik nicht als exotisches Nischenthema behandelt wird, sondern die Relevanz für die Gesellschaft erkannt wird.

 

Barbara Kasper,  Vorstand  Grazer Frauenrat*