DAMENWAHL: Fragen des Grazer Frauenrats zur Landtagswahl 2019

Seit 2010 begleitet der Grazer Frauenrat, auf Initiative der (damals noch nicht abgeschafften) Unabhängigen Frauenbeauftragten Maggie Jansenberger sämtliche österreichischen Wahlen mit Graz-Bezug (Gemeinderats-, Landtags-, Nationalratswahlen) mit der Initiative "Damenwahl": Der Zusammenstellung der unterschiedlichen Positionen der wahlwerbenden Parteien zu einzelnen frauenpolitisch relevanten Themen. Hier nun die Fragen, die wir anlässlich der Steirischen Landtagswahl am 24.11.2019 an die für den Landtag kandidierenden Parteien schicken [Antworten folgen, sobald wir sie erhalten haben]:

DAMENWAHL: Fragen des Grazer Frauenrats zur Landtagswahl 2019

1. Mädchenzentren und Mädchenarbeit

Mädchenarbeit war und ist ein zentraler Motor für den gleichstellungsorientierten Fokus in der Jugendarbeit und geschlechterreflektierten Pädagogik.
Geschlechterreflektierte Pädagogik, Kinder –und Jugendarbeit geht weit über geschlechtshomogene Räume hinaus, dennoch sind geschlechtshomogene Räume in der Mädchenarbeit unverzichtbar. Es gibt Themen, Lebenslagen, Zeiten und Anlässe, die fachlich erfordern, dass Mädchen eigene Räume für ihre Bedürfnisse vorfinden. Es gibt auch Mädchen, denen aus unterschiedlichen Gründen der Besuch gemischtgeschlechtlicher Angebote versagt ist.
Ein einziges Mädchenzentrum für die gesamte Steiermark ist viel zu wenig. Sowohl in allen steierischen Regionen als auch in Graz besteht mehr Bedarf nach Mädchenzentren und Mädchenarbeit. Die Ausweitung dieses Angebotes kann auch einen Beitrag gegen die Abwanderung aus den Regionen darstellen.

Welche Schritte  in diese Richtung können wir von Ihrer Partei erwarten?

2. Gender Budgeting

Ein wichtiges Instrument zur Erstellung von öffentlichen Haushalten mit dem Ziel tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, ist Gender Budgeting.

Was ist von Ihrer Partei geplant, um dieses Instrument bei der Erstellung des Landesbudgets zu integrieren und umzusetzen?

3. Wirtschaftsförderung und Gleichstellungsmaßnahmen

Gesellschaftliche Ressourcen sind nach wie vor geschlechtsspezifisch ungerecht verteilt. Frauen besetzen weitaus weniger Führungspositionen, verdienen bei Vollzeit um 1/5 weniger als Männer (Gender Pay Gap von 2019: 19,7! Fast 4% hinter EU-Schnitt!), sind stärker von Altersarmut betroffen und verfügen über ein viel geringeres Vermögen.
Einen Beitrag zur Chancengleichheit könnte auch eine Koppelung der Wirtschaftsförderung mit Gleichstellungsmaßnahmen leisten.

Inwiefern gibt es in Ihrer Partei dahingehende Überlegungen  und welche?

 

4. Sport-Gender Pay Gap und Sport-Förderung

"Unter den 100 bestverdienenden Sportlern der Welt ist nur eine Frau", beschreibt die deutsche ZEIT 2018 die massiven Ungleichheiten im Spitzensport". Sportlerinnen werden belächelt, ignoriert, schlechter bezahlt" und  "Nirgendwo ist der Gender Pay Gap gewaltiger". 

Die Situation in Österreich ist nicht besser, sowohl im Spitzensport gibt es massive Benachteiligungen in Bezahlung, Anerkennung und medialer Berichterstattung als auch, trotz erster Bemühungen, in der Förderung von Jugend- und Breitensport für Mädchen und Frauen.

Die div. Sportverband-Führungsebenen zeichnen sich, wenig überraschend, durch großteils männliche Vertretung aus, was wohl auch nicht unbedingt  Garant für vehementes Gegensteuern ist.

Welche Maßnahmen plant Ihre Partei auf Landesebene, um gegen diese Missstände aufzutreten und Verbesserungen für weiblichen Spitzen-, Jugend- und Breitensport einzuleiten?

 

5. Fristenlösung

Wir gehen davon aus, dass die gesetzliche Regelung der Fristenlösung unbestritten ist, was uns auch bei unserer Veranstaltung zum Nationalrat bestätigt wurde. Aber natürlich berühren wir ein komplexes Thema, Aufklärung, Prävention, Verhütungsmittel, kostenlos oder nicht, Verfügbarkeit von Kliniken usw.

Welche Überlegungen zur sexuellen Selbstbestimmung von Frauen gibt es in Ihrer Partei?

 

6. Kinderbetreuung

Kinderbetreuung ist noch immer ein Bereich, der nicht gerecht zwischen Müttern und Vätern aufgeteilt ist. Ein qualitativ hochwertiges und zeitlich flexibles Kinderbetreuungsangebot ist die Basis dafür, dass Eltern einer existenzsichernden Beschäftigung nachgehen können.

Das Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten muss dazu stark ausgebaut werden, in allen steirischen Bezirken aber auch für Graz. Die Anzahl der Plätze ist zu gering, die zeitliche Flexibilität ist oft nicht gegeben.

Wie stehen Sie zu dem Recht auf einen Kinderkrippenplatz oder einen Kindergartenplatz für alle Kinder, unabhängig vom Alter des Kindes und davon, ob die Mutter arbeitslos ist oder nicht?