Chancen für Frauen* und ihre Kinder? Nicht durch eine Infragestellung der Fristenlösung

Keine Frau* entscheidet sich leichtfertig für eine Abtreibung. Abtreibung ist immer ein physisch und psychisch belastender Eingriff. Aber es gehört zur Selbstbestimmung einer Frau*, dass sie die Entscheidung für eine Abtreibung ohne äußere Beeinflussung treffen kann. Wenn sie eine Beratung will, wird sie in Frauen*einrichtungen qualifizierte Möglichkeiten finden. Eine verpflichtende Beratung ist eine  unzulässige Gängelung.

 

Wer die Zahl der Abtreibungen verringern will, muss an der Verhinderung unerwünschter Schwangerschaften arbeiten.  Wenn wir bedenken, dass etwa 10% der Abtreibungen Minderjährige betreffen, dann wissen wir, wie wichtig eine vernünftige, Zielgruppen gerichtete,  wissenschaftlich fundierte Sexualpädagogik ist. Aber für alle Altersgruppen gilt, die Information über Verhütungsmittel und deren kostenloser Bezug ist ein Gebot der Stunde.

 

Perfide ist es, die Diskussion über Abtreibung an die Frage der Spätabtreibungen zu koppeln. Solch eine Spätabtreibung wird nie leichtfertig vorgenommen. Ein Ärztegremium schlägt den Eltern den Abbruch der Schwangerschaft vor, wenn die Lebensfähigkeit des Embryos nicht gegeben ist. Es handelt sich also nicht um eine behindertenfeindliche Maßnahme.  Die meisten schwangerschaftsbedingten Behinderungen entstehen bei der Geburt. Danach werden viele Familien mit der Sorge um behinderte Kinder allein gelassen.

 

Wir wehren uns gegen jeden Versuch, die Fristenlösung in Frage zu stellen. Wir kehren nicht zurück in die  Illegalität, zu gesundheitlichen Bedrohungen , zu Verboten und moralischem Druck.  Unser Frauen*bild ist von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung geprägt.

 

Barbara Kasper, Vorstand Grazer Frauenrat*