A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

X Chromosome, Y Chromosome,...

Ob X und Y Chromosome, Hormone oder Hirnhälften – mit Biologismus wird  Geschlechterpolitik gemacht. Populäre Sachbücher, in denen Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken, feiern riesige Verkaufserfolge. Das macht deutlich, wie populär die simple These „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ nach wie vor ist. Immer wieder berufen sich Männerrechtler (wie auch ihre publizistischen Begleiter in den Medien) auf Genetik, Hirnforschung oder Verhaltensbiologie, um fragwürdige Behauptungen zur Geschlechterdifferenz zu untermauern. Zitate aus Forschungsberichten, Alltagswissen und Zeitgeist-Meinungen vermengen sich zu einem flott geschriebenen Einheitsbrei, der stets die Unterschiedlichkeit von Gehirnhälften, Hormonen oder Genen betont. So entstehen klar strukturierte, angeblich „natürliche“ Rollenstereotypen und ein polarisiertes Muster von Zweigeschlechtlichkeit, das nicht der realen Vielfalt entspricht. Befürworter dieses grundlegenden Dualismus (im Sinne von Gegensatz) sehen die Gefahr einer „anthropologischen Neutralisierung“ und des Leugnens von Fakten der Biologie. Auf diese Weise bleiben gesellschaftlich konstruierte Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern festgeschrieben.

Biologismus versucht menschliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Zusammenhänge vordringlich durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären - mit schwerwiegenden weltanschaulichen, politischen und gesellschaftlichen Folgen, die aus einer unzureichend reflektierten, einseitig biologischen Betrachtungsweise erwachsen können.
Auf dem Gebiet der Geschlechterpolitik vorrangig durch Verweise auf biologische Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern, aus denen unreflektiert vermeintlich unabdingbare gesellschaftlich- kulturelle Konsequenzen gezogen werden, wodurch sexistische Auslegungen entstehen können. Es ist die alte Geschichte im neuen Gewand: Die Frau sei natürlicherweise sozial, kommunikativ, emotional, immer bemüht in ihrem privaten Umfeld, andere zu versorgen und zu bemuttern. Den Mann dränge es hinaus in die Welt, um sich im öffentlichen Wettbewerb und Kampf mit seinen Geschlechtsgenossen zu beweisen. Populärwissenschaftliche Bücher geben mit Verweis auf angebliche naturwissenschaftliche ‚Wahrheiten‘ hierzu einfache Erklärungen. Geschlechterunterschiede hätten sich in der Evolution entwickelt, sie seien körperlich festgelegt oder zumindest vorbestimmt: im Gehirn, in den Hormonen, in den Genen. Die Biologie wird benutzt, um Geschlechterdifferenzen und Geschlechterordnungen in der Gesellschaft als naturgegeben zu legitimieren.

Biologismus findet sich häufig auch in anderen sozialen Erklärungsmodellen, so etwa in rassistischem Gedankengut (Unterscheidung zwischen „höher-“ und „minderwertigeren“ Menschenrassen), in den Lehren der klassischen vergleichenden Verhaltensforschung (menschliches Verhalten mit Hilfe von Analogien aus dem Tierreich zu erklären) und in der in der Kriminologie (kriminelles Verhalten als Folge einer vererbbaren Anlage bzw. biologischen Ursache zuordnet).

TIPP:

Emma-Dossier

Transgender

TransX